Das Gericht Tarot Bedeutung: Der Ruf, der alles verändert

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Das Gericht im Tarot steht für Erwachen, Berufung und Wiedergeburt. Erfahre, was Karte XX aufrecht und umgekehrt bedeutet und welcher Ruf auf dich wartet.

Das Gericht Tarot Bedeutung - Karte XX der Großen Arkana

Die Karte, die Tote aus Gräbern ruft

Das Gericht Tarot Bedeutung - Karte XX der Großen Arkana

Du weißt, dass sich etwas ändern muss. Schon seit Wochen. Vielleicht seit Monaten. Aber du bleibst, wo du bist. Hältst fest an dem, was vertraut ist, auch wenn es sich längst tot anfühlt. Dann ziehst du eine Karte – und sie zeigt dir einen Engel, der seine Posaune bläst, während Menschen aus ihren Gräbern steigen.

Das Gericht ist die zwanzigste Karte der Großen Arkana. Und sie ist kein sanfter Hinweis. Sie ist ein Weckruf, der keine Ausreden kennt.

Was zeigt das Bild auf der Karte?

Im Rider-Waite-Tarot schwebt der Erzengel Gabriel über einer Landschaft. Er bläst seine Posaune. Darunter öffnen sich Gräber. Mann, Frau und Kind steigen heraus, die Arme zum Himmel gestreckt. Im Hintergrund Berge. Auf der Fahne ein rotes Kreuz auf weißem Grund.

Jedes Detail erzählt.

Der Engel mit der Posaune ist der göttliche Ruf. Nicht die leise Stimme, die du überhören kannst. Sondern der Klang, der durch alles hindurchdringt – durch deine Ausreden, deine Ängste, deine Gewohnheiten.

Die drei Auferstehenden stehen für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Alle drei erwachen gleichzeitig. Was gewesen ist, wird nicht gelöscht. Es wird integriert.

Die Gräber sind das Alte. Die Rollen, die du gespielt hast. Die Überzeugungen, die nicht mehr stimmen. Die Version von dir, die längst gestorben ist – in der du aber noch wohnst.

Die ausgestreckten Arme zeigen Bereitschaft. Die Menschen wehren sich nicht. Sie empfangen.

Das Gericht aufrecht: Erwachen und Berufung

Wenn das Gericht aufrecht in einer Legung erscheint, passiert etwas Grundlegendes. Die Karte spricht nicht von kleinen Korrekturen. Sie spricht von einem Erwachen, das alles verändert.

Berufung. Nicht im esoterischen Sinn von “das Universum hat einen Plan für dich”. Sondern im ganz konkreten: Du spürst, wohin es geht. Du weißt, was dran ist. Die Frage ist nur, ob du aufstehst.

Wiedergeburt. Aus dem, was gestorben ist, erhebt sich etwas Neues. Nicht trotz der Vergangenheit, sondern durch sie hindurch. Alles, was du erlebt hast, wird Teil des Neuen.

Vergebung. Das Gericht heißt Gericht – aber es meint keine Strafe. Es meint Klarheit. Die Fähigkeit, ehrlich auf das Gewesene zu schauen und es dann loszulassen. Dir selbst vergeben. Anderen vergeben. Nicht aus Schwäche. Aus Stärke.

Befreiung. Der Moment, in dem die Vergangenheit dich nicht mehr definiert.

Das Gericht umgekehrt: Wenn du den Ruf ignorierst

Umgekehrt zeigt das Gericht jemanden, der die Posaune hört – und sich wieder hinlegt. Die Gräber bleiben zu.

Den Ruf ignorieren. Du weißt, was sich ändern muss. Aber der Preis scheint zu hoch. Also bleibst du liegen.

Selbstzweifel. “Bin ich wirklich gemeint? Bin ich gut genug, um aufzustehen?” Diese Fragen halten dich im Grab.

Vergangenes festhalten. Die alte Identität, die alte Beziehung, der alte Job. Tot, aber vertraut. Und Vertrautheit fühlt sich sicherer an als Auferstehung.

Selbstverurteilung. Statt Klarheit kommt Härte. Du richtest über dich selbst – nicht um freizukommen, sondern um dich klein zu halten.

Warum das Gericht nicht der Tod ist

Die beiden Karten werden oft verwechselt. Beide handeln von Transformation. Aber sie zeigen verschiedene Phasen.

Der Tod (XIII)Das Gericht (XX)
Der Prozess des SterbensDas Auferstehen danach
Das EndeDer Neubeginn
Geschieht dirDu wählst es
IndividuellKollektiv
UnausweichlichEine Antwort auf den Ruf

Der Tod fragt nicht um Erlaubnis. Das Gericht schon. Es ruft – aber du entscheidest, ob du aufstehst.

Das macht die umgekehrte Bedeutung so schmerzhaft. Beim Tod gibt es keine Wahl. Beim Gericht schon. Und die Wahl, liegen zu bleiben, obwohl du den Ruf hörst, erzeugt eine ganz eigene Art von Leiden.

Die verborgene Ebene: Shin und der Pfad des Feuers

In der Kabbala liegt das Gericht auf Pfad 31 – der Verbindung von Malkuth (materielle Welt) nach Hod (Intellekt). Es ist der Weg aus reiner Materialität in Richtung Verständnis.

Der zugeordnete hebräische Buchstabe ist Shin (ש). Er bedeutet “Zahn”, steht aber vor allem für Feuer. Und zwar nicht für das zerstörende Feuer des Turms. Sondern für die läuternde Flamme, die reinigt, ohne zu vernichten.

Shin hat drei Zacken. Im jüdischen Mystizismus stehen sie für die drei Säulen des Lebensbaums. Im Gericht stehen drei Menschen auf. Kein Zufall.

Der Planet ist Pluto – Tod und Wiedergeburt in einem. Die numerologische Reduktion von 20 ergibt 2 – die Hohepriesterin. Das verborgene Wissen, das durch das Gericht ans Licht kommt.

Das Gericht in der Praxis

In einer Legung:

  • Gegenwart: Ein Ruf erschallt gerade. Hörst du ihn?
  • Zukunft: Große Erneuerung steht bevor. Bereite dich vor.
  • Ratschlag: Steh auf. Vergib. Folge dem, was du längst weißt.
  • Hindernis: Du hältst an etwas fest, das dich nicht mehr braucht.

Als Meditationskarte: Schließe die Augen. Stell dir den Klang einer Posaune vor, klar und unüberhörbar. Er ruft dich. Aus welchem Grab steigst du auf? Was lässt du in der Erde zurück? Und was nimmst du mit ins neue Leben?

Häufige Fragen

Was bedeutet das Gericht im Tarot? Das Gericht (Karte XX) steht für Erwachen, Berufung und Wiedergeburt. Es zeigt den Moment, in dem ein innerer Ruf erschallt, der dich auffordert, die Vergangenheit loszulassen und dich zu erheben.

Was bedeutet das Gericht umgekehrt? Umgekehrt zeigt das Gericht, dass du den Ruf hörst, aber nicht folgst. Es deutet auf Selbstzweifel, Festhalten an der Vergangenheit oder die Weigerung, eine notwendige Veränderung zuzulassen.

Was ist der Unterschied zwischen Tod und Gericht im Tarot? Der Tod (XIII) zeigt den unvermeidlichen Prozess des Endens. Das Gericht (XX) zeigt das bewusste Auferstehen danach. Der Tod geschieht dir. Beim Gericht entscheidest du, ob du dem Ruf folgst.

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